Slow Travel und Alleinreisen verändern die Reiseplanung

Anja
von Anja
3 Min. Lesezeit
20.08.2026, 09:47:28

Neue europäische Reisedaten zeigen Potenzial für längere Aufenthalte, Reisen außerhalb der Hochsaison und kleinere, gemeinschaftlich ausgerichtete Programme im Norden 

Europäische Reisende wünschen sich zunehmend einen langsameren Rhythmus, längere Aufenthalte und weniger, dafür intensivere Erlebnisse. Gleichzeitig entwickelt sich das Alleinreisen von einem Nischenangebot zu einem festen Bestandteil des Reisemarktes.

Das zeigt der neue European Travel Trend Report der DERTOUR Group. Die Ergebnisse sind auch für Veranstalter nordischer Reisen relevant: Skandinavien, Finnland, Island und das Baltikum bieten gute Voraussetzungen für Programme, die Natur, regionale Begegnungen und mehr Zeit an einzelnen Orten miteinander verbinden.

Mehr als die Hälfte interessiert sich für Slow Travel

Laut der Studie interessieren sich 53,2 Prozent der europäischen Reisenden für Slow Travel. Für 63,6 Prozent bedeutet das vor allem eine entspanntere Art des Reisens. Weitere 58,3 Prozent möchten lieber wenige Erlebnisse bewusst genießen, anstatt möglichst viel in kurzer Zeit unterzubringen.

Auch das Kennenlernen des Reiseziels spielt eine wichtige Rolle: 55,4 Prozent wünschen sich mehr Zeit für die Kultur, Natur und Menschen vor Ort. Fast die Hälfte der Befragten sieht den Urlaub zudem als Gelegenheit, Abstand von sozialen Medien und digitalen Ablenkungen zu gewinnen.

Diese Entwicklung wird teilweise mit dem Begriff JOMO – „Joy of Missing Out“ – beschrieben. Gemeint ist die bewusste Entscheidung gegen einen überfüllten Reiseplan und für mehr freie Zeit während der Reise.

Schweden und Norwegen zeigen großes Interesse

Unter den Befragten, die sich für Slow Travel interessieren, möchten 58,5 Prozent das Reiseziel in einem langsameren Tempo und ohne Stress erleben. Für 52 Prozent steht diese Reiseform außerdem für mehr Wohlbefinden und weniger Belastung.

Besonders deutlich ist der Wunsch nach mehr Zeit am Reiseziel in Österreich: Dort stimmen 67,3 Prozent dieser Aussage zu. Es folgen Norwegen mit 66,5 Prozent und Schweden mit 65,6 Prozent.

Für den nordischen Tourismus bestätigt dies das Potenzial von Programmen, die nicht täglich den Ort wechseln. Weniger Unterkunftswechsel, längere Aufenthalte und bewusst eingeplante freie Zeit können für viele Gäste wertvoller sein als ein möglichst umfangreiches Aktivitätenprogramm.

Fast drei von zehn Europäern erwägen eine Alleinreise

Auch das Interesse an Alleinreisen wächst. Fast 30 Prozent der Europäer halten es für wahrscheinlich, innerhalb der kommenden zwölf Monate allein zu verreisen.

Bei Singles liegt der Anteil bei 37,6 Prozent. Doch auch rund ein Viertel der verheirateten oder in einer festen Beziehung lebenden Befragten kann sich eine Alleinreise vorstellen.

Deutschland führt die Rangliste mit 36,1 Prozent an. Dahinter folgen Schweden mit 35 Prozent, Frankreich mit 32,2 Prozent, das Vereinigte Königreich mit 29,8 Prozent und Polen mit 28,9 Prozent.

Damit ist Solo Travel sowohl für den DACH-Markt als auch für nordische Destinationen ein relevantes Produktsegment.

Alleinreisende bleiben länger und reisen häufiger außerhalb der Hochsaison

Die Buchungsdaten der DERTOUR Group zeigen zudem, dass Alleinreisende durchschnittlich 10,4 Tage unterwegs sind. Über alle Reiseformen hinweg liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 8,9 Tagen.

Solo-Reisen finden außerdem häufiger außerhalb des Sommers statt. Rund 65 Prozent dieser Reisen werden außerhalb der Monate Juni bis August unternommen. Bei allen Reisen zusammen beträgt dieser Anteil 56 Prozent.

Für nordische Destinationen eröffnet dies Chancen über die klassische Hochsaison hinaus. Herbst, Winter und Frühling können mit naturbezogenen Programmen, regionaler Küche, Kultur, Bewegung oder kreativem Handwerk gezielt für Alleinreisende entwickelt werden.

Allein reisen bedeutet nicht, allein bleiben zu wollen

Alleinreisende benötigen passende Angebote. Unter den Befragten, die eine Solo-Reise in Erwägung ziehen, suchen 38,4 Prozent nach Hotels oder Zimmern, die auf eine Person ausgerichtet sind. Rund 27,9 Prozent möchten mit Gleichgesinnten reisen, während 26,9 Prozent nach persönlich zugeschnittenen Angeboten suchen.

Das zeigt: Viele Gäste möchten allein buchen und anreisen, während der Reise aber dennoch Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse haben.

Kleine Gruppen, gemeinsame Mahlzeiten und freiwillige Aktivitäten können diese Bedürfnisse erfüllen. Gleichzeitig sollten Programme genügend Freiraum bieten, damit Reisende selbst entscheiden können, wann sie Zeit mit der Gruppe oder für sich verbringen möchten.

Was die Entwicklung für Reiseveranstalter bedeutet

Slow Travel und Solo Travel sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Beide Entwicklungen sprechen für kleinere Gruppen, längere Aufenthalte, weniger Ortswechsel und Programme, die persönliche Begegnungen ermöglichen, ohne jeden Tag vollständig durchzuplanen.

Für Reiseveranstalter ergeben sich daraus konkrete Ansatzpunkte:

  • Aufenthalte mit mehreren Nächten an einem Ort
  • Programme außerhalb der klassischen Hochsaison
  • Zimmer und transparente Preise für Alleinreisende
  • gemeinsame Aktivitäten ohne verpflichtendes Dauerprogramm
  • kleinere Gruppen mit Zeit für individuelle Interessen
  • weniger Programmpunkte mit einem klareren regionalen Bezug

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Reisende grundsätzlich weniger erleben möchten. Vielmehr verändert sich die Vorstellung davon, was eine gelungene Reise ausmacht: Entscheidend ist zunehmend nicht die Anzahl der Programmpunkte, sondern die Qualität der Zeit vor Ort.

Über die Studie

Der European Travel Trend Report verbindet Buchungsdaten der DERTOUR Group aus 16 europäischen Märkten mit einer Onlinebefragung von Appinio. Dafür wurden vom 2. bis 6. Februar 2026 insgesamt 8000 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren in 13 europäischen Ländern befragt. Die Stichprobe war hinsichtlich Alter und Geschlecht national repräsentativ. In Schweden nahmen 500 Personen teil. 

Warum wir das beobachten 

Längere Aufenthalte, Reisen außerhalb der Hochsaison und solo-freundliche Kleingruppenangebote können neue Möglichkeiten für die Produktentwicklung im nordischen Tourismus schaffen. 

Mehr zu der Studie zu Slow Travel und Alleinreisen.

Header: © Denys Nevozhai Unsplash