Von Touristen zu Mitgestaltern: Kopenhagens CopenPay
Die Initiative belohnt positives Verhalten von Gästen und entwickelt sich zu einem internationalen Vorbild für die Zukunft des Städtetourismus
Wie kann Tourismus nicht nur weniger Schaden verursachen, sondern aktiv einen positiven Beitrag leisten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die dänische Hauptstadt bereits seit mehreren Jahren. Die Antwort trägt den Namen CopenPay. Was als Pilotprojekt begann, entwickelt sich nun zu einer dauerhaften Plattform. Gleichzeitig wird das Konzept unter dem Namen DestinationPay für Destinationen weltweit geöffnet. Das Interesse ist groß: Bereits hunderte Destinationen beschäftigen sich mit der Frage, wie sich das Modell auf ihre eigenen Gegebenheiten übertragen lässt.
Wie funktioniert CopenPay?
Das Prinzip ist einfach. Besucher werden für positive Verhaltensweisen belohnt. Wer beispielsweise mit dem Fahrrad unterwegs ist, mit dem Zug anreist oder sich an Umweltaktionen beteiligt, erhält Zugang zu kostenlosen Aktivitäten, Vergünstigungen oder besonderen Erlebnissen. Dabei geht es nicht darum, Besucher zu bestrafen oder ihnen Vorschriften zu machen. Vielmehr möchte Kopenhagen Anreize schaffen, die nachhaltiges Verhalten attraktiv und sichtbar machen. Zu den Aktivitäten gehören unter anderem:
- Anreise mit dem Zug statt mit dem Flugzeug
- Nutzung von Fahrrädern vor Ort
- Teilnahme an Aufräumaktionen
- Unterstützung lokaler Initiativen
- Nachhaltige Mobilität während des Aufenthalts
Die Überraschung: Die Belohnung ist nicht der wichtigste Faktor
Besonders interessant sind die Ergebnisse der bisherigen Auswertungen. Entgegen der Erwartung vieler Marketingexperten gaben nur wenige Teilnehmer an, wegen der eigentlichen Belohnungen mitgemacht zu haben.
Viel wichtiger war für die meisten die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun und die Destination auf eine andere Weise kennenzulernen. Fast die Hälfte der Befragten nannte das Erlebnis selbst als wichtigste Motivation. Viele Teilnehmer berichteten zudem, dass sie ihr Verhalten auch nach der Reise teilweise verändert hätten. Diese Erkenntnis stellt klassische Annahmen im Tourismusmarketing infrage.
Ein neuer Blick auf den Gast
Lange Zeit wurden Touristen vor allem als Konsumenten betrachtet. Sie reisen an, konsumieren Dienstleistungen und reisen wieder ab. Initiativen wie CopenPay verfolgen einen anderen Ansatz. Besucher werden als aktive Teilnehmer verstanden, die einen Beitrag zur Destination leisten können. Dieser Perspektivwechsel gewinnt weltweit an Bedeutung. Destinationen suchen zunehmend nach Wegen, Tourismus stärker mit lokalen Bedürfnissen, Klimazielen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu verbinden.
Vom Pilotprojekt zur globalen Idee
Nach den positiven Erfahrungen in Kopenhagen wurde das Modell 2026 international geöffnet. Unter dem Namen DestinationPay können andere Städte und Regionen das Konzept an ihre eigenen Bedingungen anpassen. Erste Pilotprojekte wurden bereits in verschiedenen europäischen Destinationen getestet. Dabei zeigt sich: Die konkrete Belohnung ist oft weniger wichtig als das Gefühl, Teil von etwas Sinnvollem zu sein.
Was bedeutet das für Destinationen?
Nicht jede Destination wird kostenlose Museumsbesuche oder Fahrradangebote anbieten können. Die eigentliche Stärke von CopenPay liegt jedoch in einem anderen Gedanken: Positive Verhaltensweisen werden sichtbar gemacht und mit positiven Erlebnissen verknüpft.
Für Destinationen eröffnet dies neue Möglichkeiten, Besucher aktiv einzubinden, Akzeptanz in der Bevölkerung zu fördern und gleichzeitig nachhaltige Ziele zu unterstützen. In einer Zeit, in der viele Städte über Overtourism, Klimaschutz und Lebensqualität diskutieren, könnte genau dieser Ansatz zu einem wichtigen Baustein für die Zukunft des Tourismus werden.
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Header: © Nick Karvounis Unsplash
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