Mit Blick auf 2026 wird deutlich: Nachhaltigkeit ist im Tourismus kein Zusatz mehr, sondern ein zentrales Entscheidungskriterium. Reisende suchen zunehmend nach Angeboten, die Natur, Kultur und Verantwortung verbinden – besonders in Regionen, die für ihre Weite, Ruhe und Ursprünglichkeit stehen. Für die nordischen und baltischen Länder ergeben sich daraus klare Chancen, aber auch neue Erwartungen.
Der Trend geht weg von reinen „Bucket-List“-Reisen hin zu Erfahrungen mit Bedeutung. In Nord- und Osteuropa äußert sich das in wachsendem Interesse an natur- und kulturbezogenen Angeboten: geführte Wanderungen, lokale Handwerksworkshops, Begegnungen mit Gastgebern oder kleine Gruppenformate. Reisende möchten verstehen, wo sie sind – und welchen Beitrag ihr Besuch leistet.
Gerade im europäischen Kontext spielt die Art der Anreise eine immer größere Rolle. Bahnreisen und kombinierte Routen durch mehrere Länder werden attraktiver, insbesondere für Reisen innerhalb des Nordens und Baltikums. Auch vor Ort steigt die Nachfrage nach Angeboten, die ohne Flug oder Auto auskommen – etwa Wandern, Radfahren oder Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Nachhaltigkeit definiert Komfort neu. In den nordischen Ländern zeigt sich das in energieeffizienten Lodges, kleinen Designhotels, naturnahen Cabins oder Unterkünften mit klarer lokaler Verankerung. Entscheidend ist weniger der Luxusstandard als die Glaubwürdigkeit: Woher kommt die Energie? Wie regional ist das Angebot? Und wie fügt sich die Unterkunft in ihre Umgebung ein?
Reisende interessieren sich zunehmend für Angebote, die lokale Strukturen stärken. Dazu zählen familiengeführte Unterkünfte, regionale Produzenten, kulturelle Vermittlung oder naturbasierte Aktivitäten mit lokalen Guides. Für Anbieter im Norden und Baltikum ist dies ein klarer Vorteil, da viele Angebote ohnehin kleinstrukturiert und lokal verankert sind.
Naturbasierte Reisen bleiben ein zentrales Motiv – allerdings mit wachsendem Bewusstsein für Schutz und Verantwortung. Statt reiner Beobachtung gewinnen geführte, regulierte und erklärende Formate an Bedeutung. Besonders in sensiblen Regionen des Nordens ist dies ein wichtiger Ansatz, um Nachfrage und Schutz in Einklang zu bringen.
Digitale Lösungen helfen Reisenden, nachhaltige Entscheidungen zu treffen: von Informationen zu zertifizierten Unterkünften bis hin zu emissionsärmeren Routen oder digitalen Genehmigungen. Für Anbieter wird Transparenz dabei immer wichtiger – nicht als Marketingversprechen, sondern als nachvollziehbare Information.
Langsame, längere Aufenthalte passen ideal zur Struktur vieler nordischer und baltischer Reiseziele. Weniger Ortswechsel, mehr Tiefe, mehr Zeit vor Ort – dieser Ansatz reduziert nicht nur Emissionen, sondern schafft auch intensivere Erlebnisse. Für 2026 zeichnet sich ab, dass genau diese Form des Reisens weiter an Bedeutung gewinnt.
Für die kommenden Jahre ist klar: Nachhaltigkeit beeinflusst Kaufentscheidungen, Produktentwicklung und Partnerschaften. Für Anbieter in Nord- und Osteuropa bedeutet das nicht, sich neu zu erfinden, sondern vorhandene Stärken klarer sichtbar zu machen – strukturiert, glaubwürdig und realistisch.
Mehr zu Green Horizon.
Header: © Zach Betten Unsplash