Kurz vor Abschluss einer Regierungsuntersuchung wird in Schweden über mehr staatliche Kontrolle, eine bessere Verkehrsanbindung und mögliche Schließungen regionaler Flughäfen diskutiert.
Schwedens Flughafennetz könnte vor einer grundlegenden Neuordnung stehen. Peter Norman und KTH-Professor Göran Cars sprechen sich in einem gemeinsamen Gastbeitrag in Dagens Industri für eine stärkere staatliche Steuerung aus. Dabei stellen sie auch die Zukunft einzelner regionaler Flughäfen zur Diskussion.
Der Zeitpunkt ist relevant: Bis spätestens 30. September 2026 soll der von der schwedischen Regierung eingesetzte Sonderermittler Anders Flanking seine Vorschläge zur künftigen Rolle des Staates als Eigentümer und Betreiber von Flughäfen vorlegen. Teil der Untersuchung ist auch die Zukunft des Flughafens Stockholm-Bromma.
Konkrete Entscheidungen über mögliche Schließungen liegen bislang nicht vor. Die Debatte zeigt jedoch, welche Fragen bei der kommenden Neuordnung des schwedischen Luftverkehrs eine Rolle spielen könnten.
Schweden verfügt derzeit über zehn staatliche, 31 regionale oder kommunale und zwei private Flughäfen. Laut Norman und Cars erwirtschaftet lediglich Stockholm-Arlanda dauerhaft einen Gewinn.
Die beiden Autoren schlagen deshalb vor, Flughäfen stärker als gemeinsames nationales System zu betrachten. Der Staat könnte strategisch wichtige regionale und kommunale Flughäfen übernehmen oder durch neue Kooperationsmodelle für eine zentralere Steuerung sorgen.
Gleichzeitig regen Norman und Cars an, die Schließung einzelner Flughäfen zu prüfen. Liegen zwei defizitäre Flughäfen nahe beieinander, könnten sie sich gegenseitig Passagiere und Verbindungen streitig machen. Eine Bündelung des Verkehrs an einem Standort könne aus ihrer Sicht zu einem größeren Einzugsgebiet, mehr Strecken und besseren wirtschaftlichen Perspektiven führen.
Als Beispiel nennen die Autoren Malmö Airport, auch als Sturup bekannt. Für viele Reisende aus der Region Malmö sei der Flughafen Kopenhagen-Kastrup aufgrund seiner Lage und seines umfangreichen Streckenangebots bereits heute die attraktivere Alternative.
Das Beispiel verdeutlicht, dass eine mögliche Neuordnung nicht ausschließlich innerhalb Schwedens betrachtet werden kann. Gerade in Südschweden beeinflussen grenzüberschreitende Verbindungen und die Nähe zu Dänemark schon heute die Wahl des Abflughafens.
Für Reiseveranstalter könnten Veränderungen im Flughafennetz deshalb sowohl Auswirkungen auf Flugverbindungen als auch auf Transfers, Rundreiseverläufe und die Kombination mehrerer skandinavischer Länder haben.
Norman und Cars fordern zudem, den Luftverkehr stärker mit Bahn und Straße zu verzahnen. Als Vorbild führen sie erneut Kastrup an, das direkt an den regionalen und überregionalen Bahnverkehr angebunden ist.
Bei Stockholm-Arlanda sehen sie dagegen Verbesserungsbedarf. Kritisiert werden unter anderem die Kosten der Bahnreise zum Flughafen und die derzeitigen Rahmenbedingungen für die Schienenanbindung.
Norman hatte bereits im Rahmen seiner 2025 abgeschlossenen Arlanda-Untersuchung Investitionen in Straßen- und Bahnverbindungen sowie veränderte Bedingungen für den Arlanda Express empfohlen. Die aktuelle Debatte geht nun darüber hinaus: Im Mittelpunkt steht nicht mehr nur die Stärkung Arlandas, sondern die Frage, wie das gesamte schwedische Flughafennetz künftig aufgebaut sein soll.
Die laufende Regierungsuntersuchung befasst sich mit dem nationalen Kernnetz staatlicher Flughäfen, der Rolle des Staates als Eigentümer und Betreiber sowie den Folgen des stark zurückgegangenen Linienverkehrs am Flughafen Bromma.
Norman und Cars legen in ihrem Beitrag weder eine Liste möglicher Schließungskandidaten vor noch machen sie einen konkreten Vorschlag für Bromma. Ihre Aussagen sind daher zunächst als Beitrag zu einer politischen und verkehrsstrategischen Debatte einzuordnen.
Für die Reisebranche wird vor allem entscheidend sein, welche Maßnahmen Anders Flanking Ende September tatsächlich empfiehlt – und ob daraus Veränderungen bei regionalen Flugverbindungen, Kapazitäten und der Erreichbarkeit schwedischer Destinationen entstehen.
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